Piz Morteratsch – Alternativprogramm
Statt wie geplant auf die Chamanna da Boval und am nächsten Tag über die Crasta da la Spraunza auf den Piz Morteratsch ging es für uns am Freitag erst einmal auf die Chamanna da Tschierva. Die Wetterprognose mit ergiebigen Niederschlägen und anschliessendem Frost in hohen Lagen hatte die Bildung von Wassereis befürchten lassen. Eine Felstour komplett mit Steigeisen zu klettern, kann zwar spannend sein, für die vorgesehene Sektionstour hätte das den Schwierigkeitsgrad jedoch zu sehr erhöht. Also disponierten wir um und genossen den Regen bei Blitz und Donner durchs Rosegtal bis zur Tschiervahütte, die wir dafür beinahe für uns alleine haben sollten.
Am nächsten Morgen kamen wir – in Wolken gehüllt – zügig voran, so dass wir schon bald die Reste des erwartungsgemäss blanken Tschiervagletschers erreichten. Von nun an ging es mit Steigeisen und am Seil in Richtung der ehemals mit Eis bepackten Nordwestwand. Allein der Fotovergleich mit der Tour vom Juni zeigt eindrucksvoll, was die Sommerhitze bewirkt hat – frischer Fels soweit das Auge reicht. Wir beschlossen, uns zwischen Eis und Fels auf den Nordgrat zu mogeln, was erstaunlich gut funktionierte und gleichwohl anhaltend konzentriertes Gehen am kurzen Seil erforderte.
Auf der Crasta da Morteratsch angelangt, ging es auf blankem Eis weiter über einige Spalten bis zum Abzweig nach Südosten auf etwa 3'520 m. Ab hier hiess es Spuren durch den Mix aus Neuschnee und überfrorenem Regen. Über einige tiefe und mit schlanken Schneebrücken versehenen Spalten hinweg erreichten wir sicher den Gipfel, den wir an diesem schönen Spätsommertag ganz für uns alleine haben sollten.
Für den Abstieg zurück zur Tschiervahütte hiess es dann wieder volle Konzentration, um Gletscherspalten und Blankeis sicher zu überwinden. Zurück am Einstieg der Crasta da Morteratsch entschieden wir und für die neu eingerichtete Abseilpiste bis zum Vadret da Tschierva. Von dort ging es für uns weiter zügig zurück zur Caro und ihrem Team. Nach entspannender Erfrischungspause nahmen wir noch den Abstieg ins Val Roseg unter die Füsse, bevor sich unsere Wege für diesen Tag trennen sollten.
Grazcha fich an Silvia, Otmaro und Philipp sagt Sebastian.